Die Geschichte des „Haus Peters“ in der ehemaligen Tetenbüller Straße, heute Dörpstraat, begann 1765 mit dem Bau des Hauses nach einem Großen Brand im Dorf. Bis 1987 beherbergte es sechs Generationen der Familie Peters.


Das Haus
Das Haus mit dem Wohntrakt wurde von Tobias Peters wohl zum Zeitpunkt seiner Eheschließung im Jahre 1765 errichtet. Um 1860 fand ein größerer Umbau des Hauses zu einem „haubargähnlichen Gebäude“ mit Wohnhaus (Vorhüs) und Wirtschaftsgebäude statt, vermutlich durchgeführt von Paul Matthias Peters (1835-1899).

Im Jahre 1956 wurde unter Paul und Luise Peters das Wirtschaftsgebäude im Gartenbereich abgerissen; die ursprüngliche Reetbedeckung zur Straßenseite wurde durch Pfannendeckung und an der Gartenseite durch Well-Asbest-Zementplatten ersetzt. Damit wurde das Gebäude wieder in den ursprünglichen Zustand von 1765 zurückversetzt.
Nach dem Kauf durch die Gemeinde Tetenbüll im Januar 1989 erfolgte eine grundlegende Sanierung des Hauses (Mauerwerk, Fenster, Fußboden, Wände) und des Ladens (Holzwurmbefall, Anstrich). Die neuen sanitären Einrichtungen wurden in einem an der Gartenseite vorgesetzten Giebelgebäude untergebracht.
Der Laden
Etwa um das Jahr 1800 begann Paul Tauchmann Peters (1766-1842) mit Waren zu handeln. Ca. 1810 führte er einen recht ansehnlichen Handel mit Gewürz- und Kolonialwaren. Da er als Tischler und Zimmermann auch einen eigenen Holzhandel betrieb, kann man davon ausgehen, dass er um 1820 die Ladeneinrichtung selbst entwarf und baute. Er stattete den Laden mit einer repräsentativen, sehr städtischen Einrichtung aus. Auffallende Merkmale sind die Schnitzwerkornamentik, die geschwungenen Tütenschlangen und der Messingschlitz. Die ursprüngliche Farbgebung war in den Fächern blau (heute noch sichtbar) und ochsenblutrot auf den Fronten.





Der Laden befindet sich in der Eingangsdiele des Hauses und besteht aus zwei Tresen, einer Regalwand und einem gusseisernen Schaufenster mit einem Kasten zur Warenauslage und nimmt etwa knapp die Hälfte des 30 qm großen Raumes ein. In die Ladenwand ist eine Stubentür mit Guckloch eingelassen.
Der Laden wurde zum Ende des 19. Jh. um den Regalteil erweitert und erhielt eine in der Gründerzeit beliebte „Braunbierlasur“, eine Maltechnik, welche die Maserung von Eichenholz imitiert. Zu dieser Zeit wurde auch das große gusseiserne Schaufenster mit seiner Jugendstilornamentik eingebaut.
Die Regale sind reich gegliedert mit 45 kleineren und größeren Schubkästen sowie mit einem kleinen Vitrinenschrank. Auf einer Gesamtlänge von rund 25 laufenden Regalmetern konnten Waren untergebracht wurden. Dazu kommen die beiden Tresen mit einer Länge von zusammen 4,50 m und etwa 6 m Regalfläche sowie 11 Schubkästen auf ihrer Rückseite.
Die letzte Generation der Kaufmannsfamilie
Johann Tauchmann Peters (1871-1924) übernahm das Geschäft als dessen letzter Betreiber. Seine Ehefrau Maria Auguste Siemens (1877-1955) stammte aus Garding. Ihre drei Kinder hießen Paul (1899-1987), Luise (1900-1991) und Anna Maria (1906-1996) – womit wir bei der letzten Generation der Familie Peters angelangt wären.
Die Mutter verrichtete die Schreibarbeiten und die Kinder mussten tüchtig mithelfen. Einmal in der Woche ging es mit dem Pferdewagen auf Landtour, um Ware zu liefern und neue Bestellungen bei den Kunden aufzunehmen.
Zur Einmachzeit stand auf dem Fußboden des Ladens ein großer Zuckerhut, der kleingeschlagen wurde. Begehrt bei den Kunden waren Rosinen, Korinthen und zu besonderen Festlichkeiten eine besondere Sorte von Trockenpflaumen, die sich nur die reichen Marschbauern leisten konnten.
Die einfache Kundschaft kam von weit her zu Fuß mit dem Einkaufskorb in die Dörpstraat. Lebensmittel, Kernseife, Scheuerbesen, Schürzenbänder, Tabak, Lampengläser und Petroleum wurden dann z.T. viele Kilometer weit nach Hause geschleppt.
Nach der Inflation von 1923 wurde das Geschäft aufgegeben (siehe auch „Die Geschichte des Geldes“). Es war unrentabel geworden und zu verkaufen gab es nicht mehr viel, denn die Zeiten waren schlecht. Zudem war Johann Tauchmann Peters krank, er war gelähmt. Kurz nach Schließung des Ladens verstarb der Familienvater. Während sich die Tochter Anna Maria verheiratete, blieben die beiden ältesten Kinder Paul und Luise unverheiratet, lebten zunächst bis 1955 zusammen mit ihrer Mutter, dann alleine im Haus in der Dörpstraat. Die Ladeneinrichtung blieb unangetastet und wurde von ihnen wie ein Augapfel gehütet.
Paul Peters wurde nach dem Schulbesuch in Tetenbüll als Soldat im Ersten Weltkrieg eingezogen und aus der Gefangenschaft krank entlassen. Nach der Genesung arbeitete er im väterlichen Geschäft mit. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges musste er wieder als Soldat in den Krieg ziehen und war in Kiel, Linz und Warschau stationiert. Erst 1946 kam er zurück in die Heimat. Nach der Genesung von einem Darmleiden arbeitete er als Land- und Gelegenheitsarbeiter, später dann im Deichbau bis zu seiner Pensionierung. Paul Peters litt sehr unter diesem sozialen Abstieg, machte er doch seiner Mutter Maria den Vorwurf, keine rechte Ausbildung und keine Ehefrau bekommen zu haben. Denn es sei schließlich ihr Wunsch gewesen, dass er zuhause bei ihr blieb.
Luise Peters ging zunächst nach dem Schulbesuch bei mehreren Arbeitgebern in Dithmarschen bis 1919 in Stellung. Wegen einer längeren Nasenerkrankung war sie dann im elterlichen Haushalt beschäftigt. Im Jahre 1930 nahm sie eine Schneidertätigkeit in Katharinenheerd auf und legte ihre Meisterprüfung im Jahre 1935 in Flensburg ab. Danach arbeitete sie als Hausschneiderin. Während des 2. Weltkrieges wurde sie im Jahre 1941 bei den Heinkelwerken in Rostock dienstverpflichtet. Nach dem Krieg arbeitete sie dann wieder als Hausschneiderin und unterrichtete Schülerinnen an der Tetenbüller Volks-schule. Ihre Schneiderwerkstatt befand sich im Alkovenzimmer des Hauses.
Die beiden Geschwister Paul und Luise Peters lebten bis zuletzt eher zurückgezogen, ernährten sich aus dem eigenen Garten und kochten vieles ein, wie die Unmenge an Weckgläsern beweist, die sie hinterlassen hatten.
Paul starb am 18.9.1987, Luise Peters, die letzte Besitzerin, lebte seit Januar 1988 im Seniorenheim Rohde in Tetenbüll. Sie verstarb am 25.7.1991.

Die Sanierung
Im Januar 1989 erwarb die Gemeinde Tetenbüll das Haus für rund 143.000 DM. Den Bauantrag reichte das Tetenbüller Architekturbüro Axel Bauer am 29.9.1989 ein. Die Umbauarbeiten zogen sich dann bis zum Herbst 1991 hin.
Das äußere Rotziegelmauerwerk war aufgrund starker Steinzersetzung erheblich zerstört. Die beschädigten Steine wurden durch gut erhaltene, alte Steine gleicher Farbe und Abmessung ausgetauscht unter Beachtung aller für die Region und die Zeit typischen Details wie scheitrechte Bögen mit erhabenen Schnittfugen. Wegen des starken Hausschwammbefalls wurde der größte Teil der Fußböden im Erdgeschoss aufgenommen. Im Bereich der Dielung wurde er durch alte Hölzer ersetzt und im Laden und in der Küche wurden die Kalksteinplatten (Ölandplatten) wieder verlegt und die Fußbodenheizung darunter versteckt. Alle äußeren und inneren Wände erhielten durch stückweises Einziehen von Horizontalsperren eine Isolierung. Als Dachmaterial entschied man sich für die im Ortskern typischen roten Tonhohlpfannen. Die vorhandenen Fenster wurden saniert und mit einem zweiten Innenfenster versehen. Im Hausinnern wurden vor allem die Haustechnik, die Heizung und sanitäre Einrichtungen modernisiert. Bei der Reparatur bzw. Neuerstellung der Anstriche auf den Holzflächen der alten Ladeneinrichtung sowie auf den Putzwänden wurden alte Malertechniken (Strukturauftrag mit Gummiwalze) angewandt, sodass das Gebäude nach der umfangreichen Sanierung in seinem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt wurde. Die Sanierungskosten beliefen sich auf etwa 330.000 DM.
Der Förderverein
Verschiedene Nutzungsvorschläge für das museale Gebäude kamen auf: Teestube, Gemeindezentrum, Seniorentreff, Verkaufsladen für Bioprodukte oder Atelier eines ansässigen Künstlers.
Am 3.11.1991 fand im Kirchpielskrug Tetenbüll die Gründungsversammlung des Fördervereins Haus Peters e.V. statt.
Die erste Vorsitzende Kathrin Schumann und ihre Mitstreiter entwickelten das Nutzungskonzept und die Vereinssatzung. Das Haus sollte nicht den Charakter eines klassischen „Heimatmuseums“ bekommen, sondern durch eine ausgewogene Mischung aus Museums-, Ausstellungs-, Galerie- und Verkaufsbetrieb eine lebendige Nutzung erfahren. Von 2000 bis März 2013 übernahm die Historikerin Brigitta Seidel die Geschäftsführung. Von 2013 bis März 2022 leitet Dr. Katrin Schäfer die Geschicke des Hauses. Seit 2022 ist Hila Küpper neue Museumsleiterin.
So konnte sich das „Haus Peters“ im Laufe der Jahre als modernes Forum für Kunst und regionale Alltagskultur entwickeln. Als lebendiger und kultureller Mittelpunkt des Dorfes und der Region Eiderstedt fand es Beachtung weit darüber hinaus. Bis heute besuchten über 300.000 Gäste das kleine Museum in der unter Denkmalschutz stehenden Dorfmitte; über 300 Ausstellungen und weitere Veranstaltungen fanden bisher statt. Viele Arbeiten werden ehrenamtlich von den Mitgliedern des Vorstandes und freiwilligen Helfern aus ganz Eiderstedt übernommen. Die Geschäftsführerin und 7 angestellte Mitarbeiterinnen garantieren einen geordneten Betriebsablauf.
Der Text ist dem Buch zur Geschichte des Hauses entlehnt
- Brigitta Seidel: Haus Peters. Vom Kolonialwarenladen zum Kulturzentrum, hrsg. vom Förderverein Haus Peters e.V., Tetenbüll 2006 (ISBN 3-936017-09-3), 6,95 € vergriffen


